Frank Hennemann · Betreiber dieser Seite

Warum ich diese Seite gemacht habe.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie lang, anstrengend und unübersichtlich der Weg bis zur Entscheidung über den Grad der Behinderung (GdB) sein kann. Deshalb möchte ich das Wissen, das ich mir erarbeitet habe, für andere verständlich zugänglich machen.

Mein Weg

Vom ersten Arztgespräch bis zum heutigen Bescheid

Mein eigener Weg hat zehn Jahre gedauert. Am Anfang wurde bei mir ein Grad der Behinderung (GdB) von 40 festgestellt. Später folgten GdB 60, dann GdB 80 und schließlich GdB 100.

  1. GdB 40erste Feststellung
  2. GdB 60spätere Prüfung
  3. GdB 80weitere Prüfung
  4. GdB 100heutige Feststellung

Dass dieser Weg so lange gedauert hat, lag nicht nur am Verfahren oder an der Einschätzung durch andere. Auch mein Gesundheitszustand, meine private Lebenssituation und meine eigene Kraft, mich mit Anträgen und Unterlagen zu beschäftigen, spielten eine Rolle. Nicht immer konnte ich den nächsten Schritt sofort gehen. Das gehört ehrlich zu meiner Geschichte.

Der Schwerbehindertenausweis war für mich kein Orden, den ich tragen wollte.

Ich musste nicht nur meine Erkrankung, sondern auch meine Behinderung als Teil meiner aktuellen Lebenssituation anerkennen. Das fiel mir nicht leicht. Je deutlicher ich die Folgen im Alltag spürte, desto klarer wurde mir aber: Der Ausweis ist keine Auszeichnung und kein unverdienter Vorteil. Er ist ein amtlicher Nachweis.

Heute weiß ich: Ich darf prüfen lassen, welche Rechte mir nach den gesetzlichen Regeln zustehen. Und ich darf die Hilfen und Nachteilsausgleiche annehmen, deren Voraussetzungen ich erfülle. Auch diese Erkenntnis war ein Teil meines Weges.

Viele Arztgespräche, Anträge, Unterlagen, Rückfragen und neue Prüfungen gehörten dazu. Heute habe ich einen festgestellten GdB von 100. Mein Schwerbehindertenausweis ist unbefristet gültig und trägt die Merkzeichen – also die Buchstaben im Ausweis – B, G und aG. Außerdem habe ich eine europäische Parkberechtigung.

Der Weg verlief nicht einfach geradeaus. Ich musste lernen, meine Grenzen im Alltag zu erkennen, sie verständlich zu beschreiben und mit medizinischen Unterlagen zu verbinden. Dabei waren eine langfristige ärztliche Begleitung und Hilfe beim Ordnen der Informationen besonders wichtig.

  1. 1Grenzen erkennenWas gelingt im Alltag nicht mehr?
  2. 2Arzt einbeziehenBeschwerden und Verlauf besprechen
  3. 3Unterlagen ordnenBefunde und Beispiele sammeln
  4. 4Antrag stellenAlltag und Medizin verbinden
  5. 5Bescheid prüfenEntscheidung und Frist verstehen
  6. 6WeitergehenHilfe, Widerspruch oder neuen Antrag prüfen

Unsichtbare Behinderung

Man sieht mir nicht an, was mich begrenzt.

„Meine Erkrankung ist nicht immer sichtbar. Meine Grenzen sind trotzdem real.“

Ich lebe mit einer schweren, genetisch bedingten Lungenerkrankung. Ich benötige derzeit keinen Sauerstoff, keinen Rollator und keinen Rollstuhl. Trotzdem kann schon ein Stockwerk über die Treppe zu viel sein. Dann muss ich den Aufzug nehmen, auch wenn andere Menschen nicht verstehen, warum.

Von außen sieht man meine Atemnot, meine Erschöpfung und meine begrenzte Belastbarkeit oft nicht. Dadurch entstehen manchmal Blicke, Fragen oder vorschnelle Urteile. Das kann verletzen und zusätzlichen Druck machen.

Für mich ist der Schwerbehindertenausweis deshalb auch ein Nachweis: Meine Einschränkungen sind anerkannt, selbst wenn sie niemand auf den ersten Blick erkennt. Der Ausweis kann mir helfen, notwendige Unterstützung und Nachteilsausgleiche zu nutzen, ohne jedes Mal meine ganze Krankengeschichte erzählen zu müssen.

Wichtig: Niemand muss fremden Menschen eine Diagnose erklären oder sich für eine unsichtbare Behinderung rechtfertigen. Nicht jede Behinderung ist sichtbar.
Warum der Ausweis Teilhabe ermöglichen kann

Was mir geholfen hat

Eine gute Entscheidung braucht verständliche Informationen.

Keine Behörde kann jeden seltenen Verlauf und jeden Alltag von selbst kennen. Das ist kein Vorwurf. Wir können die Entscheidung unterstützen, indem wir vollständige Unterlagen liefern und verständlich erklären, was die Erkrankung tatsächlich verändert.

01

Den Alltag beschreiben

Der Name einer Krankheit sagt noch nicht, was im Leben schwerfällt. Wichtig sind konkrete Beispiele: Wie weit kann ich gehen? Schaffe ich Treppen, Einkaufen oder einen ganzen Arbeitstag? Wann brauche ich Hilfe?

02

Ärzte früh einbeziehen

Eine Ärztin oder ein Arzt kann nur weitergeben, was bekannt und dokumentiert ist. Deshalb sollten Beschwerden, Behandlungen und Grenzen im Alltag offen besprochen werden. Eigene Notizen können dabei helfen.

03

Seltenes und Seelisches erklären

Nicht jede Stelle kennt jede seltene Erkrankung. Auch psychische Belastungen sind oft nicht sichtbar. Befunde und verständliche Beispiele müssen deshalb zeigen, wie die Erkrankung das wirkliche Leben beeinflusst.

04

Ordnen und Hilfe annehmen

Kopien, Arztberichte, Namen, Daten und Briefe sollten möglichst geordnet bleiben. Niemand muss das allein schaffen. Eine vertraute Person oder eine Beratungsstelle kann beim Sortieren und Verstehen helfen.

Seltene und psychische Erkrankungen verständlich darstellen

Gemeinsam verstehen

Helfen heißt nicht, alles selbst wissen zu müssen.

Auch ein 14-jähriger Mensch, der noch nie mit dem Thema zu tun hatte, soll verstehen können: Was belastet die betroffene Person? Was ist der nächste Schritt? Und wo wird die Hilfe eines Erwachsenen oder einer Fachperson gebraucht?

Angehörige und Freunde

Sie können zuhören, zu Terminen begleiten, Alltagssituationen mit aufschreiben und beim Sortieren von Briefen helfen. Wichtig ist, Einschränkungen nicht kleinzureden.

Ärztinnen und Ärzte

Sie können Diagnose, Verlauf, Behandlung und die medizinisch nachvollziehbaren Folgen für den Alltag zusammenbringen. Dafür müssen sie wissen, was außerhalb der Praxis passiert.

Beratungsstellen

Sie können erklären, welche Stelle zuständig ist, was in einem Bescheid steht und wo Fristen laufen. Bei Rechtsfragen können Sozialverbände oder eine anwaltliche Beratung nötig sein.

Schule, Ausbildung und Arbeit

Lehrkräfte, Ausbilder und Führungskräfte können fragen, welche Unterstützung im Alltag gebraucht wird. Im Mittelpunkt sollten konkrete Hindernisse und passende Lösungen stehen.

Schutz und Unterstützung im Arbeitsleben verstehen

Mein Wunsch an Sie

Geben Sie nicht vorschnell auf.

Ich kenne Menschen, die sagen: „Der Antrag ist mir zu viel Aufwand.“ Andere möchten nach einer Ablehnung nicht mehr weitermachen. Das kann ich verstehen. Unterlagen, Fragen und Behördensprache kosten Kraft – besonders dann, wenn man ohnehin krank oder erschöpft ist.

Wenn eine Entscheidung nicht zu Ihren tatsächlichen Einschränkungen passt, schauen Sie trotzdem noch einmal hin. Lesen Sie den Bescheid genau, achten Sie auf die genannte Frist und holen Sie sich Unterstützung. Eine Ablehnung muss nicht das Ende des Weges sein. Es kann sinnvoll sein, fachkundig prüfen zu lassen, ob ein Widerspruch infrage kommt. Mit einem Widerspruch bitten Sie die Behörde offiziell, den Bescheid noch einmal zu prüfen.

Niemand sucht sich eine Krankheit oder Behinderung aus. Ein Schwerbehindertenausweis macht das Erlebte nicht ungeschehen und das Leben nicht automatisch besser. Er kann aber Nachteile ausgleichen und manche Situationen im Alltag leichter machen. Darum geht es – nicht um einen unverdienten Vorteil, sondern um Teilhabe.

Wichtig: Sie haben ein Recht darauf, dass Ihr Antrag nach den gesetzlichen Regeln geprüft wird. Ein Schwerbehindertenausweis wird grundsätzlich ab einem festgestellten Grad der Behinderung von 50 ausgestellt. Ob die Voraussetzungen erfüllt sind, entscheidet die zuständige Behörde im Einzelfall.

Darum gibt es behindertenausweis.org

Ich möchte den Weg nicht versprechen. Ich möchte ihn verständlicher machen.

Seit rund 16 Jahren beschäftige ich mich mit diesen Themen und habe viele Menschen bei der Vorbereitung unterstützt. Dabei begegnen mir immer wieder dieselben Fragen:

  • Welche Stelle ist zuständig?
  • Was gehört in den Antrag?
  • Welche Unterlagen helfen?
  • Was bedeuten der Grad der Behinderung (GdB), die Buchstaben im Ausweis (Merkzeichen) und Hilfen zum Ausgleich von Nachteilen?
  • Was kann ich nach dem Bescheid tun?
  • Wann brauche ich fachkundige Beratung?

Deshalb übersetzt diese Seite Amtssprache in verständliche Alltagssprache. Sie ist kostenlos, werbefrei und ohne Registrierung. Sie verspricht keinen bestimmten GdB und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.